Lustige Gedichte

Das Schnitzel
von Eugen Roth

Ein Mensch, der sich ein Schnitzel briet,
bemerkte, dass ihm das missriet.
Jedoch, da er es selbst gebraten,
tut er, als wär es ihm geraten,
und, um sich nicht zu strafen Lügen,
isst er's mit herzlichem Vergnügen.


Die drei Spatzen
von Christian Morgenstern (1871-1914)

In einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.
Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.
Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber, da schneit es, hu!
Sie rücken zusammen dicht an dicht,
so warm wie Hans hat's niemand nicht.
Sie hör'n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

Die Torte
von Eugen Roth

Ein Mensch kriegt eine schöne Torte.
Drauf steh'n in Zuckerguss die Worte:
"Zum heutigen Geburtstag Glück!"
Der Mensch isst selber nicht ein Stück,
doch muss er in gewaltigen Keilen
das Wunderwerk verteilen.
Das "Glück", das "heu", der "Tag" verschwindet,
und als er nachts die Torte findet,
da ist der Text nur mehr ganz kurz.
Er lautet nämlich nur noch: "burts"
Der Mensch, zur Freude jäh entschlossen,
hat diesen Rest vergnügt genossen.

Der Mathematiker
von Heinz Erhard

Es war sehr kalt, der Winter dräute,
da trat - und außerdem war's glatt -
Professor Wurzel aus dem Hause,
weil er was einzukaufen hat.

Kaum tat er seine ersten Schritte,
als ihn das Gleichgewicht verließ,
er rutschte aus und fiel und brach sich
die Beine und noch das und dies.

Jetzt liegt er nun, völlig gebrochen,
im Krankenhaus in Gips und spricht:
" Ich rechnete schon oft mit Brüchen,
mit solchen Brüchen aber nicht ! "

Die Made
von Heinz Erhardt

Hinter eines Baumes Rinde
Wohnt die Made mit dem Kinde.

Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.

Eines Morgens sprach die Made:
"Liebes Kind, ich sehe gerade
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl!
Halt noch eins! Denk, was geschah,
geh nicht aus, denk an Papa!"

Also sprach sie und entwich.-
Made junior aber schlich
hintendrein; und das war schlecht!
Denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine fade
Made ohne Gnade. Schade!

Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde...

Oben ohne
von Heinz Erhard

Natur ist immer dort sehr schön,
wo Bäume ihr zu Berge stehn,
und wenn der Wind behutsam leicht
wie'n Kamm durch diese Bäume streicht.

Doch wo die Berge kahl und steinig,
da ist nichts los! - Sei'n wir doch einig,
dass Schönheit meistens nicht viel zählt,
wenn's oben fehlt !

Der Maus
von Heinz Erhard

(der Maus ihr Mann ist tot.)
Der Maus ihr Gatte wurd geschnappt
von einer Mausefalle,
nun war - verdammt und zugeklappt! -
er mausetot für alle.
Die Trauerreden fürn Gemahl,
sie gipfelten im Satze:
"Viel schneller gings auf jeden Fall
mit Falle - als mit Katze!"

Der Berg
von Heinz Erhardt

Hätte man sämtliche Berge der ganzen Welt
zusammengetragen und übereinandergestellt,
und wäre zu Füßen dieses Massivs
ein riesiges Meer, ein breites und tiefs,
und stürzte dann unter Donnern und Blitzen
der Berg in dieses Meer - - - na, das würd spritzen !

Noch'n Unterschied
von Heinz Erhardt

Wir fuhren einst zusammen
tagtäglich mit der "Zehn",
jetzt fahren wir zusammen,
wenn wir uns wiedersehn !

Warum die Zitronen sauer wurden
von Heinz Erhardt

Ich muss das wirklich mal betonen:
Ganz früher waren die Zitronen
(ich weiß nur nicht genau mehr, wann dies
gewesen ist) so süß wie Kandis.

Bis sie einst sprachen: "Wir Zitronen,
wir wollen groß sein wie Melonen !
Auch finden wir das Gelb abscheulich,
wir wollen rot sein oder bläulich !"

Gott hörte oben die Beschwerden
und sagte: "Daraus kann nichts werden !
Ihr müsst so bleiben ! Ich bedauer !"
Da wurden die Zitronen sauer . . .

Der Spatz
von Heinz Erhardt

Es war einmal ein grauer Spatz,
der saß ganz oben auf dem Dache,
und unten hielt die Mietzekatz
schon seit geraumer Weile Wache.
Da sagte sich das Spätzlein keck: "Mich kann das Biest nicht überlisten!"
Bums, kam ein Habicht um die Eck
und holte sich den Optimisten. -
So kann es allen denen gehn,
die glauben, nur sie wärn die Schlauen.
Man darf nicht nur nach unten sehn,
man muß auch mal nach oben schauen!

Überlistet
von Heinz Erhardt

Wenn Blätter von den Bäumen stürzen,
die Tage täglich sich verkürzen,
wenn Amsel, Drossel, Fink und Meisen
die Koffer packen und verreisen,
wenn all die Maden, Motten, Mücken,
die wir versäumten zu zerdrücken,
von selber sterben - so glaubt mir:
es steht der Winter vor der Tür !

Ich laß ihn stehn !
Ich spiel ihm einen Possen !
Ich hab die Tür verriegelt
und gut abgeschlossen !
Er kann nicht rein !
Ich hab ihn angeschmiert !
Nun steht der Winter vor der Tür - - -
und friert !

Wirklich, er war unentbehrlich
von Wilhelm Busch (1831-1908

Wirklich, er war unentbehrlich!
Überall, wo was geschah,
Zu dem Wohle der Gemeinde,
Er war tätig, er war da.

Schützenfest, Kasinobälle,
Pferderennen, Preisgericht,
Liedertafel, Spritzenprobe,
Ohne ihn, da ging es nicht.
Ohne ihn war nichts zu machen,
Keine Stunde hatt' er frei.

Gestern, als sie ihn begruben,
War er richtig auch dabei.


...update: 26.02.2016